Das Landratsamt Kronach / Sachgebiet Umwelt informiert:

 

Wasserentnahmen aus Oberflächengewässern (Flüsse, Bäche, Gräben, Seen und Teiche) haben gesetzliche Grenzen – beim Gartengießen und Bewässern auch an den Gewässerschutz denken! Im Hinblick auf den extrem trockenen Sommer sind –trotz der jüngsten Regenfälle – nach wie vor unzulässige Wasserentnahmen aus Oberflächengewässern, insbesondere zu Bewässerungszwecken bzw. zum Gartengießen, zu erwarten.

 

Es gilt zu berücksichtigen, dass die in den Gewässern lebenden Tiere und Pflanzen, die ohne Wasser nicht überleben können, vom Austrocknen bedroht sind. Insbesondere bei der Wasserentnahme aus kleinen Bächen und Gräben ist schnell die Grenze überschritten, bei der für die Lebewesen im oder am Gewässer nichts mehr übrig bleibt und dadurch große Schäden angerichtet werden.

 

Das Landratsamt weist deshalb im Interesse des Gewässerschutzes auf die bestehende Rechtslage hin:

 

Das Entnehmen von Wasser aus oberirdischen Gewässern (Flüsse, Bäche, Gräben, Seen und Teiche) bedarf nach den geltenden gesetzlichen Bestimmungen grundsätzlich einer wasserrechtlichen Gestattung, die vorher beim Landratsamt zu beantragen ist (vgl. § 9 Abs. 1 Nr. 1, § 8 Abs. 1 des Wasserhaushaltsgesetzes – WHG).

 

Ausnahmen von dieser generellen Erlaubnispflicht bestehen nur in engen Grenzen, das heißt nur dann, wenn die Wasserentnahme noch unter den sogenannten Gemeingebrauch bzw. den Eigentümer- oder Anliegergebrauch am Gewässer fällt.

 

1.  Gemeingebrauch

 

Der Gemeinverbrauch steht grundsätzlich jedermann zu. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass die erlaubnisfreie Wasserentnahme nur durch Schöpfen mit Handgefäßen (also nur in geringen Mengen) erfolgen darf (vgl. Art. 18 Abs. 1 Bayerisches Wassergesetz – BayWG).

 

Eine Entnahme mittels Entnahmeleitung mit oder ohne Pumpe ist im Rahmen des Gemeingebrauchs lediglich aus Flüssen mit größerer Wasserführung und auch dort nur in geringen Mengen für das Tränken von Vieh und den häuslichen Bedarf der Landwirtschaft möglich, eine Feldbewässerung (außerhalb der Hofstätte) scheidet jedoch aus.

 

2.  Eigentümer- und Anliegergebrauch

 

Im Rahmen des Eigentümergebrauchs an einem oberirdischen Gewässer (vgl. § 26 WHG) darf Wasser für den eigenen (auch landwirtschaftlichen) Bedarf nur dann entnommen werden, wenn dadurch keine nachteiligen Veränderungen der Eigenschaften des Wassers, keine wesentliche Verminderung der Wasserführung, keine andere Beeinträchtigung des Wasserhaushaltes und keine Beeinträchtigung (d. h. tatsächliche und spürbare Behinderung) anderer (z. B. Inhaber von Rechten und Befugnissen, Gemeingebrauchs- und andere Anliegergebrauchsausübende) zu erwarten ist.

 

Bei anhaltender Trockenheit – wie in diesem Sommer - und entsprechend niedrigen Wasserständen haben jedoch bereits geringfügige Wasserentnahmen nachteilige Auswirkungen auf die Gewässerökologie v. a. in den kleineren Gewässern (Fischsterben, trockenes Bachbett), so dass die Wasserentnahme nicht mehr vom Eigentümer- bzw. Anliegergebrauch gedeckt ist.

 

Diese Einschränkungen gelten im vollen Umfang auch für den Anliegergebrauch. (Anlieger = Eigentümer der an oberirdischen Gewässer angrenzenden Grundstücke und die zur Nutzung der Grundstücke Berechtigten).

 

Ein Anliegergebrauch an Bundeswasserstraßen oder sonstigen Gewässern, die schiffbar oder künstlich errichtet sind, ist grundsätzlich ausgeschlossen.

 

Weiterhin sind Einbauten jeder Art im Gewässer, die zum Zwecke des Aufstauens ohne vorherige Gestattung errichtet wurden, in jedem Falle unerlaubt und müssen beseitigt werden.

 

Das Landratsamt bittet daher um größte Zurückhaltung bei der Wasserentnahme in und nach der sommerlichen Trockenperiode. Insbesondere ist die Wasserentnahme bei Niedrigwasser in jedem Fall einzustellen. Mit verstärkten Kontrollen ist zu rechnen.

 

Verstöße gegen die wasserrechtlichen Vorschriften können als Ordnungswidrigkeiten mit empfindlichen Bußgeldern geahndet werden. Darüber hinaus müsste das Landratsamt zum Schutze des Wasserhaushalts kostenpflichtige Anordnungen erlassen und Zwangsgelder androhen.

 

Ein solches Vorgehen sollte sich jedoch im Interesse aller Beteiligten vermeiden lassen.


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FWG ERNEUERT DIE TRINKWASSERLEITUNG IN REICHENBACH


Foto: Karl-Heinz Hofmann
Foto: Karl-Heinz Hofmann

von Karl-Heinz-Hofmann

 

Kaum einer weiß noch aus eigenen Erlebnissen von der Wassernot, die Anfang der 1950er Jahre im nördlichen Landkreis und vor allem in der Rennsteigregion herrschte. Darauf machte Bürgermeister Peter Ebertsch aus Tettau bei einer Baustellenbegehung und Besprechung aufmerksam. Es ist nämlich annähernd 70 Jahre her, seitdem der Zweckverband für Wasserversorgung Frankenwaldgruppe (FWG) im Jahr 1954 gegründet wurde. Ebertsch, der seit 1. Januar dieses Jahres auch Verbandsvorsitzender ist, informierte, dass die FWG ein kommunaler Zweckverband (Körperschaft des öffentlichen Rechts) ist, zur Versorgung mit Trinkwasser von 21 Ortsteilen seiner sieben Mitgliedergemeinden (Ludwigsstadt, Teuschnitz, Tettau, Reichenbach, Steinbach am Wald, Steinwiesen, Wilhelmsthal).  Seit 2015 bezieht die FWG das Wasser von seinem Kooperationspartner, der Fernwasserversorgung Oberfranken (FWO), welcher das Wasser aus der Ködeltalsperre bezieht. Somit habe man nicht nur stets ausreichend Trinkwasser, sondern auch eine gute Wasserqualität, die durch ständige Kontrollen der eigenen Aufbereitungsanlage Rieblich gewährleistet ist. Dies ist ein bedeutender Fortschritt für den Zweckverband FWG, so der Verbandsvorsitzende einleitend, der für die sehr gute Zusammenarbeit mit der FWO dankbar ist.

 

Bei der derzeitigen Baustelle in Reichenbach, handelt es sich um die Erneuerung der Trinkwasserleitung entlang der Ortsdurchfahrt (Kreisstraße KC 24). Es werden auf rund 1600 Meter Länge, alte, aus den 1950er Jahren stammende, gusseiserne Rohre durch Kunststoffrohre ersetzt. Baubeginn war im August 2021, die Verantwortlichen überzeugten sich von einem guten Baufortschritt, der auch von der bauausführenden Firma Richard Schulz aus Buttenheim und dem Ingenieur vom Planungsingenieurbüro SRP Schneider und Partner, bei der Begehung bestätigt wurde. Die Investitionskosten liegen bei etwa 1,5 Millionen Euro. Die Maßnahme wird vom Freistaat Bayern im Rahmen der RZWas 2021 (Richtlinie für Zuwendungen zu wasserwirtschaftlichen Vorhaben) mit bis zu 70 Prozent gefördert. Die Erneuerung der Hausanschlüsse erfolgt auf freiwilliger Basis der Hausbesitzer. Bisher wollen in Reichenbach 40 betroffene Hausbesitzer ihren Hausanschluss erneuert haben. Die Baustelle erfolgt in Vollsperrung, jedoch können die Anlieger ihre Häuser erreichen. Dabei ist die Wasserversorgung nicht beeinträchtigt, da sie durch eine Notversorgung sichergestellt wird. Der voraussichtliche Bauabschluss ist für das dritte Quartal dieses Jahres vorgesehen.

 

Nach Abschluss der Bauarbeiten in Reichenbach ist als nächste Maßnahme für die Verwaltungsgemeinschaft (VWG) Teuschnitz die Erneuerung der Ortsdurchfahrt in Haßlach bei Teuschnitz vorgesehen, hier soll noch in 2022 die Ausschreibung erfolgen. Besonders erfreut sind die drei Bürgermeister, Peter Ebertsch (Tettau), Frank Jakob (Teuschnitz) und Karin Ritter (Reichenbach) über die Synergieeffekte und Einsparung von Ressourcen, da im Anschluss nach der Baumaßnahme auch die KC 24 durch den Landkreis Kronach neu asphaltiert wird. Durch die sehr gute Kooperation und vorausschauende Planung aller Beteiligten können so unnötige Belastungen für die Bürger vermieden werden.

 

Das Bild zeigt: Bei der Baustellebesprechung in Reichenbach zeigten sich die Beteiligten zufrieden mit dem Fortschritt. Von links Otto Küpferling (Wassermeister FWO), Bauleiter Stark (Fa. Richard Schulz), Jürgen Kempf (Geschäftsführer FWG) Jonas Betz (Ingenieurbüro SRP Kronach), Karin Ritter (Bürgermeisterin Reichenbach, Verbandsrätin), Frank Jakob (Bürgermeister Teuschnitz, stellvertretender Verbandsratsvorsitzender), dahinter Peter Ebertsch (Bürgermeister Tettau, Verbandsratsvorsitzender).